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Deutschland
Deutsche Erstaufführung im Kieler Kulturviertel: REQUIEM FÜR EIN UNGEBORENES KIND
….. Man konnte im Kulturviertel bei der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Entdeckungen machen: Das „Accademia Amiata Ensemble“ aus der Toscana mit einer herausragenden Messiaen-Interpretation des Quartetts für das Ende der Zeit und dem Requiem für ein ungeborenes Kind des Schweitzer Komponisten Thomas Fortmann – eine deutsche Erstaufführung. Der heute in einem einsam gelegenen Castello nahe Grosseto lebende Musiker bewegte sich bis 1977 ausschließlich im Popbereich, schrieb neben weiteren 100 Titeln das erfolgreiche Lied Israel und das Rockmusical Tell. Inzwischen hat der gebürtige Berner die Branche gewechselt, komponierte ein Franziskanisches Oratorium, die Sinfonien Pythagoras und Aion und anderes mehr.
Sein Requiem spricht den Hörer unmittelbar an, konfrontiert ihn nicht mit bloß abstrakten Strukturen. Dennoch hat Fortmann seinen Schönberg und Hindemith gut studiert, aber darüber hinaus auch C.G. Jung wie auch seinen Hans Kayser, dessen altes und wieder neu entfaltetes harmonikales Prinzip der Entsprechung von Ton, Psyche und Welt hörbar dieses in der Tat progressive, weil ganzheitlich gedachte, um nicht zu sagen postmoderne Requiem befruchtet hat. Fortmann entwickelt eine eigene Technik im Blick auf eine vertikale Akkordhierarchie und auch hinsichtlich der linearen Reihen, deren Zwölftonigkeit auch „Natürliches“ erlaubt.
Das neunteilige Requiem über das Sein oder Nichtsein des Menschen, das auch hymnischen Aufschwüngen gleichsam hoffnungsvollen Raum gab, wurde von vier brillanten jungen Instrumentalisten, nicht selten in Solo- und Duopassagen, exzellent ausgeführt. Die nie gekünstelt wirkende, leicht fließende, dynamisch flexible Vokalstimme wurde von der Basler Mezzosopranistin Danielle Jungblut überzeugend getragen.
Danach hatte der Geiger Claudio Cavalieri, der durch Soli besonders herausragende Klarinettist Lorenzo Contorni, der Pianist Ettore Candela und der Cellist Ferdinando Suvini Olivier Messiaens Quartett für das Ende der Zeit sehr exakt und daher in einer auch vom apokalyptischen Sinngehalt her ergreifenden, symbolisch die Zeit in der Tat aufhebenden, die Endzeit beschwörenden, aber auch die Schöpfung der Welt feiernden Weise nachgestaltet. Man wird das Ensemble heute in Westensee und morgen beim „Forum Colorum“ im Schloss wiederhören können. (Kieler Nachrichten Schleswig-Holstein)
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