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Ladyboy
ist ein konzeptionelles Werk in dem alles seine Bedeutung hat.
Alles was zu sehen oder zu hören ist will etwas Bestimmtes ausdrücken.
Im folgenden eine kurze analytische Übersicht über den Aufbau. Wir beschränken uns auf strukturelle Angaben, die zum Verständnis des Werkes ausreichen mögen.
Die Farben
Durch den gesamten Zyklus herrscht der visuelle Eindruck der thailändischen Tempelfarben.
Als dominante Farben, haben wir Gold dem Männlichen, weiss (resp. Silber) dem Weiblichen
und rot dem Transsexuellen (Ladyboy) zugeordnet. Als subdominante Farben,
grün für das Männliche und blau für das Weibliche.
Die Musik
Das erste und das achte Tafeltriptychon entsprechen sich.
Was im ersten durch Kreise und deren gegenfarblichen Vergrösserungen ausgedrückt wird, versinnbildlicht die letzte Tafelreihe durch die Notenskalen.Es gibt eine männliche 4/4- und eine weibliche 3/4-Takt Zwölftonskala.
Zuerst noch ungetrennt im (vertikalen) 'Schöpfungsstrahl', durchlaufen sie dann ihre Grund - Spiegel - Krebs - und Spiegel-krebsformen. In diesem Ablauf werden sie durch sukzessive Vergrößerungen der jeweiligen Gegenreihe durchbrochen. Dieses symbolische Integrieren des Gegengeschlechtlichen wird auch durch die zunehmenden Taktmassverwechslungen ausgedrückt: M 4/4 wird zum 3/4 und W 3/4 wird zu 4/4. Das Transsexuelle geht zuerst mit dem Männlichen, dann mit dem Weiblichen und erreicht durch Erkennen (Spiegel) der eigenen Doppelgeschlechtlichkeit die Qualität einer Drehscheibe, von der aus beliebig eine der Reihen oder eines der Taktmasse verwendet werden kann. Der Schlussakkord besteht aus Doppelgriffen: einer Quart für das Männliche, einer Terz für das Weibliche und einer Quinte für das Transsexuelle. Die letzten Takte im 5/4 Mass symbolisieren das gemeinsame Kontinuum, die Quintessenz als Quincunx (Zentrum von vier Punkten): 'die Drehscheibe' der transsexuellen Möglichkeit.
Das zweite Tafeltriptychon ist Malee I gewidmet. Sie ist 'ganz Frau'. Deshalb ist der musikalische Abschnitt im 3/4 Takt und die melodische Linie eine Parallelführung zur weiblichen. Kontrapunktisch dazu die männliche. Davor gesetzt, auf den drei zusammen- laufenden Notenlinien: 'der Ruf der Frösche', eine akustische Erinnerung an Thailand.
Malee II (drittes Triptychon) ist halb Frau, halb Mann. Also, transsexuell im engeren Sinn. Ihr zugeordnet ist eine männliche Skala von 6 Tönen und eine weibliche von 6 Tönen, welche sich beide komplementär zu einer 12-Tonreihe ergänzen. Beide 6-Tonskalen sind parallel (gleiches Intervall auf gleicher Stufe), stehen zueinander symmetrisch (die Mitte als transsexuelle Drehscheibe) und jede Skala ist in sich selbst auch noch symmetrisch, wobei die Summe aus den sich überlagernden Intervallen jeweils eine Quart ergibt. Die Büchsendeckel beziehen sich auf die Taktmasse.
Auf dem vierten Triptychon steht nach dem Altschlüssel (Stäbe) der Ton As, also der Ton, mit dem im ganzen Zyklus die männliche Grundreihe beginnt: Nung ist Transvestit. So auch Sherry (fünftes Triptychon): Beide sind miteinander verbunden durch die Kantilene der Viola. Der musikalische Abschnitt für Sherry hat eine männliche und eine weibliche Reihe, je aus vier Tönen bestehend, welche von einem gemeinsamen Zentrum aus symmetrisch zueinander sind. Sie werden ergänzt durch fünf Töne, die hier das transsexuelle bedeuten. Diese sich ergebende 'transsexuelle' Skala ist in sich auch wiederum symmetrisch und die jeweiligen Intervalle stehen komplementär zur männlichen und weiblichen Reihe. Die horizontale 69 oben auf der Tafel betrifft die Tempoangabe.
Nach dem sechsten Triptychon, welches Djness gewidmet ist und in dem zwei Schlager persifliert werden, gelangen wir zum siebten Abenteuer. Dieses Erlebnis mit Doen und Rainer hatte etwas motorisch Unaufhaltsames, eine Dynamik von Zeit, Ort und Personen.
Spiegel, Krebse & Schmetterlinge
Die Spiegel auf den Tafeln symbolisieren das Erkennen: das Männliche und das Weibliche werden sich ihrer selbst bewusst. Dieses Bewusstwerden beinhaltet auch das Erkennen des zum eigenen Geschlecht gerichteten Vermögens, also um die Homoerotik. Anders verhält es sich bei der Bewusstwerdung von Transsexualität. Es geht dann nicht so sehr um die Erkenntnis des zum Eigengeschlecht gerichteten Vermögens, als viel mehr um das Transzendieren zum Gegengeschlecht.
Die Krebse stehen für den Prozess der Entwicklung: das Männliche und das Weibliche leben zunehmend ihr eigengeschlechtliches Vermögen und integrieren es im heterosexuellen Agieren. Erst dadurch entsteht eine ganzheitliche Sexualität; denn niemand ist weder 100% hetero- noch 100% homosexuell. Wiederum unterschiedlich das Transsexuelle: es manifestiert sich nicht als ein Prozess in der Zeit, sondern als immediater Umbruch. An einem bestimmten Zeitpunkt wird die eigengeschlechtliche Hülle abgelegt und eine gegengeschlechtliche angenommen. Das transsexuelle als drittes Geschlecht ist dann erreicht, wenn nach Außen hin das Gegengeschlecht manifestiert wird und gleich wie beim Heterosexuellen dieses sich dadurch erweitert, dass ein beidseitig geschlechtliches Vermögen entwickelt und gelebt werden kann. Der Unterschied vom Trans - zum Heterosexuellen - der ja auch beidseitig (also hetero und homo) agieren kann - liegt aber darin, dass das Trans- sexuelle eine Art Drehscheibe beinhaltet von welcher aus gegengeschlechtlich agiert werden kann, sei es dem Mann als auch der Frau gegenüber. So ist es nicht richtig, das Transsexuelle in das Gebiet der Homo- sexualität einordnen zu wollen, denn es kann dem Mann weiblich und der Frau männlich begegnen. Der oder die Hetero- sexuelle kann dem eigenen Geschlecht nur homosexuell begegnen. Unseres Erachtens müssten im Vokabular der Transsexualität die Begriffe 'hetero' und 'homo' wegen Sinnlosigkeit gestrichen werden, denn sie fallen zusammen, sind identisch, heben sich gegenseitig auf und definieren sich bloss durch den Standpunkt des Betrachters, nicht aber aus sich selbst heraus.
Die Schmetterlinge geben die Art der transsexuellen Wandlung an. Der thailändische Begriff 'Katoi', also Ladyboy, schließt alle Wechsel zum Gegen- geschlecht ein: Den operativen zur Frau, den hormonellen zum Transsexuellen und den gesellschaftlichen zum Transvestiten. Uns erscheint diese Definition von Transsexualität richtig und der Realität zu entsprechen. Trotzdem unterscheiden wir durch die Farbgebung der Schmetterlinge die drei Möglichkeiten der Wandlung. Dies ist eher als informative Bebilderung gedacht, denn als qualitative Unterschiede der Transsexualität.
STAEBE (ZAHLENSYMBOLIK)
Die Zahl 1, der erste Stab ist rot, trans- zendierend beide Geschlechter beinhaltend. Die 1 als das unteilbar Ganze: das 'All Eine'. Schon die Tatsache, dass die Zahlenreihe mit Eins beginnt und sich unendlich fortsetzen lässt, verbindet begrifflich die Eins mit der Unendlichkeit. Sie besitzt den Doppelaspekt, dass sie quantitativ die Zähleinheit ist, qualitativ die ganze Folge der Zahlen beinhaltet.
Die 2 eröffnet die Klasse aller Zahlen, die sich durch sich selber vermehren oder teilen können und ergibt als einzige bei der Multiplikation und Addition das gleiche Resultat. (Latenter Vier-Charakter). In der Wurzel aus 2 entdeckte Pythagoras den Beweis sowohl des Irrationalen, wie auch des Unendlichen. Bei der Wahrnehmung einer Zweiheit implizieren wir die Feststellung von Gleichheit oder Andersheit. Die Zwei ist also der Symmetrie- und Polaraspekt, sowie das Dual der Eins.C. G. Jung: "Jede Gegensatzspannung aber drängt zu einem Ablauf, aus welchem das Dritte entsteht.
Im Dritten löst sich die Spannung, indem das verlorene Eine wieder hervortritt. Das absolut Eine ist unzählbar, unbestimmbar und unerkennbar.... Drei ist das erkennbar gewordene Eine...," also die Harmonie, die Trinität als Einheit.Eine alchemistische Formel für die 4 lautet: "Aus Eins wird Zwei, aus Zwei wird Drei und vom Dritten das Eine ist das Vierte." Das heißt: die 3 als Einheit gesehen ist das Vierte. Kein Wunder also, für die außerordentliche Stellung der Quart (Tetrachord), die bei den Griechen sowohl die Diatonik, wie Chromatik und Enharmonik regelte. Die Summe von 1,2,3 und 4 ergibt 10, die Tetraktis.
Das Spiel mit den Zahlen führen wir visuell und musikalisch durch das ganze Werk hindurch.
Neben dem Versuch und der Herausforderung unsere Abenteuer künstlerisch umzusetzen, waren die zwei Winter in Thailand vor allem ein sinnliches Erlebnis, welches unsere Selbsterkenntnis und Beziehung erweitert hat. Wir danken den Ladyboys und dem gastfreundlichen Volk für diese Möglichkeit.
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