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Der Hahn und das Kreuz

 

Personen:

Erzähler

Der Hahn

Das Kreuz

 

Instrumente:

fl./alt.sax/bar.sax/trp/

perc./pno (org)/vcl

 

 

(langsamer Gestus)

Erzähler: 

Der Hahn…. Der Hahn und das Kreuz.

Es gab einmal eine Kirche. Auf ihrem Turm war ein Kreuz und auf dem Dach ein Hahn.

Sie waren schon lange, schon seit sehr langem dort.

 

Hahn & Kreuz: 

So lange, dass wir rostige Leiber haben.

So lange, dass niemand uns mehr sieht.

Trotzdem erfüllen wir unsere Pflicht

 

Hahn: 

Ich, der Hahn, krächze rostig und zeige die Richtung an woher der Wind weht.

 

Kreuz: 

Ich aber, das Kreuz, mahne bewegungslos an den anderen, den grossen Wind.

 

Hahn: 

Das Kreuz spricht nie mit mir. Es sagt mir nichts.

 

Kreuz: 

So?!

 

Hahn: 

Gar nichts.

 

Kreuz: 

Aber Du sagst ja auch nie…

Der Hahn sagt auch nie etwas zu mir.

 

Hahn & Kreuz: 

Seit unzähligen Jahren geht das nun schon so.

Seit unzähligen Jahren sind wir einfach da.

 

Erzähler:

Auf einmal, unerwartet und ganz plötzlich brechen sie das Schweigen:

 

Kreuz: 

So Hahn, nach deinem aufgeregten Getue (Trompete) will ich dir jetzt mal was sagen:

Weißt Du eigentlich wie intelligent ich bin?

 

Hahn: 

Was soll der Blödsinn!

 

Kreuz: 

Doch, doch. Ich bin intelligent.

 

Hahn: 

Jetzt habe ich keine Zeit für dein Geschwätz.

Siehst du nicht die schwarzen Wolken am Horizont?

 

Kreuz: (nach kurzer Pause) 

Hahn, sogar weise bin ich.

 

Hahn: 

Na, na na. Auf jeden Fall bist du dümmer als ich und alle Kreatur.

Ich weiss zum Beispiel, dass ein Gewitter aufzieht und zeige es an.

Siehst du dort unten die Bauern noch schnell das letzte Heu heimbringen?

Die Kinder ihre Räder unter Dach stellen? Die Tiere selbst, suchen einen Unterschlupf.

Du aber stehst da als wäre nichts.

Es ist höchste Zeit, allerhöchste Zeit sich jetzt zu beeilen.

Du aber kennst die Zeichen der Zeit nicht.

 

Kreuz: 

Oh, ich kenne die Zeit. Die vergangene und die zukünftige.

Ich weiss was nach dem Gewitter sein wird,

auch was nach dem nächsten

und übernächsten

und über- übernächsten.

Sogar was nach dem letzten Gewitter sein wird.

 

Hahn: (empört)

Das ist nicht wahr!

 

Kreuz: 

Nicht wahr sagst du? Mein lieber Bruder,

ich kenne die Wahrheit, denn ich bin die Wahrheit.

 

Hahn: 

Sag nicht Bruder zu mir, du Nichts Nutz!!

(Huuh! Jetzt wäre ich beinahe vom Sockel gefallen.

 Wo war ich?

 

Kreuz: 

Bei Nichtsnutz.

 

Hahn:   

Ah ja…)

Du Nichts und überhaupt Nichts Nutz!

Was hast du je getan für mich oder das Dorf? Nichts!

Völlig untauglich zu irgendetwas,

völlig überflüssig stehst du da.

Für was?

Für nichts!

Eine lächerliche Verzierung.

 

Kreuz: 

Gut Hahn. Dann sei der Adler.

 

Erzähler: 

Wind und Regen setzten heftig ein. Sie sprachen nicht mehr.

Sie hätten sich in dem Sturm auch nicht mehr verstanden.

Es wurde beinahe finster. Und während einem Blitz sah der Hahn das Kreuz zum letzten Mal.

(stürmisch)

 

Kreuz: 

Der nächste Blitz.

 

Hahn:

Ein blendendes Weiss.

 

Erzähler: 

Ein furchtbares Krachen.

 

Kreuz: 

Ein letztes Schlagen.

 

Hahn: (ausser sich)

Etwas scheppert vom Kirchturm über das Dach!

 

Erzähler: 

Dann der Aufprall tief unten auf der Strasse.

Seit damals denkt der Hahn bei jedem Gewitter:

 

Hahn oder Erzähler: 

‚Um Gottes Willen, ich hier!

Alleine und ganz oben!

Wer soll mich diesmal retten?

Oder ist es gar der letzte Sturm?’

 

Erzähler:  

Bei schönem Wetter vergisst er rasch seine Gewitter-Sorgen.

Dem ist auch gut so, denn er ist allzu rostig um immerfort zu zittern.  

 

                                        

 

                                                                                                              

 

   

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